Liebe, Krankheiten, Glaubenssätze

Für immer und ewig: Gibt es noch Dinge, die ein Leben lang andauern?

Bern - Ein Leben lang: Das klingt nach Ewigkeit. Doch was bleibt, wenn sich Leben, Körper, Denken und sogar Krankheiten verändern? Eine Suche nach dem, was trägt – zwischen Vergänglichkeit, Glaube und der Liebe.

Veröffentlicht am 26.01.2026 – 

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Das ganze Leben lang! Das ist ein gewichtiger Satz. Oder: lebenslänglich – ein großes Wort. Schon fast einschüchternd der Satzteil: bis zum Tag meines Todes. Alles Worte, die die meisten Menschen schon gelesen, gedacht oder sogar gesagt haben.

Doch dauert etwas überhaupt lebenslänglich an? Begleitet uns etwas das ganze Leben lang? Äußere Umstände ändern sich, man zieht in ein anderes Dorf oder kündigt eine Arbeit. Alte Freunde gehen und neue treten ins Leben. Man stellt die Ernährung um, der Vitaminmangel ist vorbei, oder man verbannt nach Jahren den Alkohol aus seinem Alltag – das Leben definiert sich geradezu durch seinen kontanten Veränderungsprozess.

Gibt es also Dinge, die lebenslänglich sind? Eine erste Antwort könnte sein: Ja, der Körper, der gehört zum Menschen, den werden wir nicht los – oder eben erst, wenn wir sterben. Eine zweite Antwort wäre: Krankheiten. Solche, die chronisch sind und bis zum Tod. Auch der Tod selbst begleitet uns für immer – spätestens vom Moment der Geburt an können wir sterben. Nur so nebenbei: Für die Turritopsis-Quallen gilt das nicht. Die Qualle kann ihre Zellen in einen jüngeren, stammzellenartigen Zustand versetzen und so wieder von vorne beginnen. Sie lebt theoretisch ewig, wenn kein Feind sie frisst oder sie nicht an Land gespült wird.

Eine Patientin (Symbolbild)
Bild: ©Photographee.eu/Fotolia.com (Symbolbild)

Erkrankungen können ein Leben lang bleiben. Doch es gibt immer mehr Heilmittel.

Zurück zu Krankheiten: Auch sie zeigen, dass alles in Veränderung ist. So hat man für viele Krankheiten, die als unheilbar galten, Behandlungsmethoden gefunden. Etwa für HIV und Krebs. Früher war die Diagnose HIV und damit die Krankheit Aids ein Todesurteil. Heute haben HIV-Infizierte eine normale Lebenserwartung. Weitere heute noch unheilbare Krankheiten oder körperliche Optimierungen – etwa gewisse Verjüngungsprozesse – sieht die Forschung als möglich.

Nichts bleibt, nichts ist definitiv. Nicht einmal Gedanken und Verhaltensweisen sind es. Das Gehirn hat die Fähigkeit, immer wieder neue neuronale Verbindungen zu bilden. Das heißt: Auch Gedanken, Überzeugungen, Gefühle und Glaubenssätze sind auf Grund des plastischen Gehirns veränderbar. Es stimmt nicht, wenn man sagen hört, dass sich ein Mensch ab einem gewissen Alter nicht mehr verändern kann. Es kommt auf seine Einstellung an und darauf, wie er oder sie mit dem eigenen Gehirn umgeht.

Glaube als bleibender Fixpunkt

Es bleiben der Glaube und die Liebe. Menschen, die ein Leben lang glauben – b an Jesus, an Gott, an eine Religion – die gibt es. Also doch etwas, das lebenslänglich ist. Und die Liebe? Die wünschen sich viele auf Lebzeiten, nicht wahr? Ob es diese für immer gibt, da sind sich nicht einmal die Paartherapeuten einig. So ist für Psychologe Klaus Heer, der seit Jahrzehnten in der Schweiz Paare therapiert, klar, dass alles, was lebt, auch vergänglich ist.

von Camilla Landbö (KNA)